Gamification – mehr als nur ein Buzzword

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Um die Frage zu beantworten was Gamification eigentlich ist, muss zuvor geklärt werden was eigentlich Spielen bedeutet.

Was ist Spielen

Johan Huizinga, niederländischer Kulturhistoriker schreibt 1938 in seinem Buch „Homo Ludens“ folgendes:

Spiel ist eine freiwillige Handlung oder Beschäftigung, die innerhalb gewisser festgesetzter Grenzen von Zeit und Raum nach freiwillig angenommenen, aber unbedingt bindenden Regeln verrichtet wird, ihr Ziel in sich selber hat und begleitet wird von einem Gefühl der Spannung und Freude und einem Bewusstsein des „Andersseins“ als das gewöhnliche Leben.“

Etwas wissenschaftlicher dagegen hält es Jane McGonigal vom „Institut for the Future“ aus Kalifornien in ihrem Buch „Reality is broken“. Sie definierte vier klare Regeln, die ein Spiel charakterisieren:

  1.     Ein klares Ziel, das es zu erreichen gilt.
  2.     Regeln, die für das Spielerlebnis einen Rahmen an Möglichkeiten setzen.
  3.     Feedback, welches hilft, die Erfahrung zu machen, ob eine Handlung gut oder schlecht war.
  4.     Freiwilligkeit, also dass niemand gezwungen wird, an einem Spiel teilzunehmen.

Beide sind sich darin einig, was ein Spiel charakterisiert. Spiel ist keine neumodische Erfindung. Spiel ist tief im Menschen verwurzelt. Man lernt spielerisch soziale Kompetenzen bereits im Babyalter. Aber nicht nur im Babyalter, auch im Kindes bis zum Erwachsenenalter. Attribute wie Fairness, verlieren können, Regeln befolgen, taktieren und sogar verhandeln. Spiel kennt keine Altersgrenze und keine kulturellen Grenzen. Spiele sind eine internationale Sprache, die fast jeder spricht. Massen können durch Spiele bewegt werden. Denken wir einmal an den Super-Bowl und die Fußball Weltmeisterschaft. Milliarden Menschen sehen sich diese Großereignisse an, ohne dass sie direkt am eigentlichen Spiel beteiligt sind.

teletrain: Was ist Gamification?

Was ist denn nun Gamification?

Gamification bedeutet nüchtern betrachtet laut Definition nichts anderes als die Anwendung von Spieledesignprinzipien, Spieledesigndenken und Spielemechaniken auf spielfremde Anwendungen und Prozesse. Zwei einfache Beispiele für Gamification sind Rangabzeichen beim Militär oder der farbige Gürtel asiatischer Kampfsportarten. Beides sind Gamifizierungen nicht spielerischer Anwendungen. Die Rangabzeichen oder Gürtel stellen nicht nur einen Platz in einer Hierarchie dar, wenn auch das hauptsächlich. Sie geben einen Anreiz, die nächste Stufe ebenfalls erreichen zu wollen. Schließlich ist die nächste Farbe, der nächste Rang, schon zum Greifen nah. Einher mit dem Rang geht nicht nur mein persönliches Wohlbefinden, auch der soziale Status innerhalb der Gruppe steigt an.

TeleTrain Gamification - Spieltrieb wecken

Zahlreiche Apps und Softwareprogramme benutzen Gamification. Ob sie nun Pokale als Belohnung verwenden oder Ranglisten, die aufzeigen, auf welchem Platz sich der Teilnehmer gerade in einem Wettstreit befindet. Es handelt sich in allen Fällen um Gamification.

Ein prominentes Beispiel für Gamification ist eine Stockholmer U-Bahn Treppe. Stellen Sie sich eine U-Bahn Treppe mit neben liegender Rolltreppe vor. Die Treppenstufen wurden in einer Werbeaktion von Volkswagen, in den Farben von Klaviertasten gemalt. Weiterhin wurde jede Stufe mit einer Automatik versehen, die bei Berührung den entsprechenden Ton ausgibt. Nachdem das Klavier fertiggestellt wurde, nutzten mehr Menschen die Treppe als noch vor der Umgestaltung.

TeleTrain: Was ist Gamification? Aber auch Produkte, die auffordern, gekauft zu werden und nebenbei noch etwas großartiges anderes versprechen, wie zum Beispiel Aufkleber oder Sammelbilder, nutzen Gamification. Die Beispiele sind schier unendlich.

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Stefan Melcher – TeleTrain