Agieren vs. Reagieren – Der Mensch ist nicht perfekt

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So genial der Mensch auch sein mag, so einfach ist er doch. Seine Evolution ist beispiellos im Vergleich zu vielen anderen Lebewesen dieser Erde. Doch von Perfektion ist er weit entfernt. Probleme zu erkennen, gehört nicht zu seiner Stärke. Ob im zivilen oder beruflichen Leben. Bevor wir agieren, möchten wir lieber reagieren. Und gerne erst, wenn es zu spät ist. Ich möchte anhand von drei Beispielen aufzeigen, wo der Mensch deutlich mehr agieren sollte, als zu reagieren und wo er hätte besser voher agiert als zu spät reagiert – natürlich ohne dabei einen wissenschaftlichen Anspruch zu stellen.

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#Müll

Eine schöne Veranschaulichung ist der tägliche Müll, den wir so in unseren vier Wänden produzieren. Den meisten fällt gar nicht auf, wieviel Müll in Summe eigentlich produziert wird. Und diese Veranschaulichung wird es auch gar nicht geben, denn die Stadtwerke sind fleißig und transportieren ihn noch bevor uns auffällt wieviel es eigentlich ist, weg. Er wird verbrannt, verbuddelt, gestapelt, ins Meer gekippt. Jeden Tag. Aber mich interessiert es nicht. Sehe ich den Müll? Nein.

Würde der Müll nicht weggeschafft, so wie vor wenigen Jahren in Italien, erst dann würde jeder Einzelne dafür sensibilisiert. Wenn sich der Müll meterhoch stapelt, vor der eigenen Haustüre, stinkend, erst dann würde es uns unter Umständen auffallen. Natürlich würde man sich zuvor über die Müllentsorger beschweren und viele andere Gründe verantwortlich machen. Hier wird nur reagiert, nicht agiert.

Agieren beim Müll
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Agieren und Müll vermeiden

Clever wäre ja wenn jeder Mensch unnützen Müll vermeidet. Anstatt Joghurt Plastikbecherweise, Palettenweise zu kaufen, lieber selbst Joghurt in Gläsern herstellen. Benötigt wird nur nur noch ein Plastikbecher anstatt vielen pro Woche. Muss die einzelne geschälte Möhre wirklich in Plastik verpackt werden, so wie ich es bei unsere niederländischen Nachbarn im Supermarkt gesehen habe? Oder die geschälte Manderine im Plastikbecher? Wir können sehr viel machen und ändern, wir können agieren. Wir müssen nur wollen und hier und da auf etwas Bequemlichkeit verzichten.

#Klimakrise

Es gibt viele Klimagegner und Leugner. Fakt ist, das Klima verändert sich und wir haben einen Einfluss darauf. Dafür müssen wir allerdings unser Verhalten hinterfragen und anpassen. Und damit meine ich alle. Wer damit anfängt ist mir gleich. Wir alle müssen uns ändern, um das Klima zu verändern und nicht stetig auf Andere zeigen. Staaten müssen sich ebenso ändern wie jeder Einzelne. Auch hier reagieren wir erneut nur auf Symptome die uns der Klimawandel um die Ohren haut. Viele der bereits bekannten und oft diskutierten Probleme sind schon viele Jahre bekannt. Man hätte agieren können. Die Chance war da. Hat man agiert? Nein. Der Mensch hat ein großes Problem damit ihm bekannte Probleme zu lösen obwohl er ganz genau weiß, dass es ihn persönlich eines Tages betreffen wird. Wir sägen an unseren Ästen und wissen, wir werden fallen. Aber warum sollte ich es ändern wenn es mein Nachbar nicht tut?

Agieren beim Klima
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Agieren und der Klimakrise zuvor kommen

Warum agieren wir nicht? Beispielsweise könnten wir auf Fleisch verzichten bzw. es reduzieren. Bevor ich jetzt Drohungen erhalte, es liegt nicht am Fliesch als solches, dass wir verzichten sollten. Ich esse gerne Fleisch. Aber Fleisch bzw. Futter kommt von Übersee. Da wird eine Menge in die Luft gepustet. Würden wir weniger Fleisch essen, würden die in Europa hergestellten Futter für das Fleisch ausreichen, bedeutet weniger Luftausstoß durch Tarnsport usw. Vom deutschen Liebling, dem Auto will ich gar nicht anfangen. Auch ich sollte öfter auf das Rad umsteigen. Aber ja, es wird unbequemer, damit es später ein Bequem geben kann.

#Corona

Auch in der Corona Krise konnten wir merken, dass agieren nicht des Menschens Liebling ist. Wurde der Corona Virus doch lange als eine etwas däftigere Grippe verkauft. „Alles halb so schlimm“, „keine Panik“ oder „stellt euch nicht an“. Doch plötzlich kippte die Stimmung bei den Experten. Corona ist doch mehr als nur eine Grippe. Bzw. das deutsche, das von Gesundheitsminister Spahn als weltweit führende Gesundheitssystem kommt an Grenzen. Gerade wie ich diese Zeilen schreibe, hat das RKI das Risiko für die Bevölkerung auf „Hoch“ gesetzt. Wieder reagiert man nur auf eine Situation, die uns wahrscheinlich 10-14 Tage voraus ist und die vorhersehbar war. Grenzen schließen wurde als lächerlich bezeichnet, um sie jetzt doch geschlossen zu haben. Jetzt, wo unser Gesundheitssystem doch an Grenzen stößt.

Damit man mich nicht falsch versteht. Mir geht es nicht darum jemanden nun die Schuld zu geben. Das müssen die Experten unter sich ausmachen bzw. das Volk hat die Möglichkeit in der nächsten Wahl ihre Unzufriedenheit auszudrücken. Ich sehe sogar eher die Chance sich vom Kapitalismus zu lösen aufgrund des Corona Viruses. Später dazu mehr.

Trotzdem möchte ich festhalten, auch hier haben wir immer zu spät auf die Situation reagiert, anstatt zu agieren. Ich verstehe, dass es in so komplexen Systemen nicht einfach ist, Entscheidungen zu treffen. Aber warum muss immer erst ein Kind totgefahren werden, bevor eine Ampel aufgestellt wird?

Agieren beim Krisen
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#Kapitalismus

Wie im vorherigen Absatz schon angedeutet, sehe ich in der Corona Krise die Chance, sich vom Kapitalismus zu lösen. Lasst uns agieren anstatt zu reagieren. Wir wissen heute bereits, dass der Kapitalismus davon lebt, Resourcen zu vernichten. Wir wissen auch, dass Resourcen nicht unendlich sind. Ein Crash ist gesicherte Zukunft. Das Resultat könnte ein sich wiederholendes sein, ein Weltkrieg. Doch der Mensch reagiert lieber. Der Mensch wird wie beim Corona Virus denken, „mich wird das schon nicht betreffen“ oder schlimmer, „warten wir erstmal ab“. Er wird, wie beim Klimawandel auf die Anderen zeigen und sein persönliches Handeln, mit dem „nicht ändern“ der Anderen legitimieren.

Agieren beim Kapitalismus
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Agieren und zukünftige Krisen vermeiden

Lasst uns jetzt agieren, Lösungen nicht nur finden, sondern sie auch jetzt umsetzen. Lasst uns Systeme ändern. Ohne Big Bang dazwischen. Jetzt das Klima, den Kapitalismus, die Systeme ändern. Jetzt agieren damit wir nicht reagieren müssen wenn es zu spät ist. Ich bin nicht alleine mit dieser Aufforderung -> Precht, Lesch