Die Digitalisierung verschiebt Raum und Zeit

Die Digitalisierung hat eine Verschiebung in Raum und Zeit bezüglich kommunikativen Handels vollzogen und auch die ‚Lebenswelt‘ nach Habermas hat sich grundlegend verändert.

Digitalisierung
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In der Vergangenheit wurde bspw. eine Information schriftlich erstellt, anschließend einem Empfänger postalisch zugestellt. Die Übermittlung dieser Information hat Zeit beansprucht, eine Reaktion darauf benötigte wiederum Zeit. Im wissenschaftlichen Diskurs wurden noch weitere Medien bspw. Fachzeitschriften zwischengeschaltet die eine gewissen Auflagenzahl und damit ein Limit an Empfängern hatte.

Es fehlt Zeit zur Reflexion

Heute wird eine Information umgehend durch soziale Netzwerke der ganzen Welt zur Verfügung gestellt. Der ‚Raum‘ der Kommunikation hat sich durch die digitale Vernetzung ausgeweitet, Barrieren wie bspw. Sprachen werden mit entsprechenden Übersetzungstools umgehend überwunden und die Geschwindigkeit (Zeit) in der die Information die Empfänger erreicht, beträgt lediglich Millisekunden. Damit einher geht, dass Diskurse erstens schneller und zweitens pluralistischer eingegangen werden können.

Vor Konsum abgelaufen

Aus meiner Sicht geht von der Ausweitung von Raum und Zeit kommunikativen Handelns eine Gefahr aus. Informationen müssen von Individuen im breiten Sortiment weniger gesucht, vielmehr gefunden werden. Darüber hinaus müssen sie verarbeitet werden was Zeit beansprucht. Durch die Tatsache des pluralgesellschaftlichen Informationszugangs können Informationen diskursiv veralten, bevor sie konsumiert werden.

Die Lebenswelt bekommt in diesem Zusammenhang einen weiteren immer gegenwärtigen Akteur hinzu in Form von künstlicher Intelligenz (KI), die jederzeit mitkommuniziert. Habermas hat das vielleicht bereits mit seiner Kehrseite der Medaille gemeint in der „die Lebenswelt sich möglicherweise zum Teil auflösen könne und das Verständigungsprozesse über die Wahrheit von Aussagen, über die Angemessenheit und sozialem Handeln und über die Authentizität expressiven Handelns an Kraft verlieren könnte“. Zudem formulierte er die Gefahr, dass traditionelle Formen menschlicher Kommunikation und menschlicher Solidarität an Einfluss einbüßen könnten.

Weil ich Habermas oft anführe, hier ein kleines Video von dem Philosoph Dr. Christian Weilmeier zu Habermas.

Philosoph Dr. Christian Weilmeier

KI bestimmt Demokratie und Gesellschaft mit

Unsere Gesellschaft lebt durch kommunikatives Handeln und wird durch Digitalisierung erstens in der Medienvielfalt ausgedehnt, zweitens durch sie verändert und drittens durch künstliche Intelligenz und Algorithmen als zusätzlichen Lebensweltakteur erweitert, teilweise ersetzt. Habermas‘ Gespräch über den Gartenzaun besteht aus non-verbalen Äußerungen sowie leibgebundenen Expressionen. Kann KI das dechiffrieren? Das Wissen vorausgesetzt, mit welchen Subjekt ich mich macht- und herrschaftsfrei sowie gleichberechtigt unterhalte, um eine selbstaufklärende und moralische Gesellschaft zu formieren. Somit gehört KI in Folge der Mediatisierung zur Lebenswelt dazu und Demokratie mitbestimmt. Ob sie macht- und herrschaftsfrei ist, kann jedoch kaum bestimmt werden.

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